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DON'T WASTE YOUR VACATION!

Auf Reisen konsumieren wir oft besonders viele Einwegprodukte: Im Kulturbeutel stapeln sich Kosmetika in winzigen Kunststofffläschchen, beim Stadtspaziergang verschlingen wir die Pasta-To-Go mit dem Plastiklöffel und an der Strandbar gönnen wir uns mit Trinkhalm und Schirmchen garnierte Cocktails.
Dass das problematisch ist, wissen wir mittlerweile alle. Wie problematisch wirklich, wird klar, wenn wir uns vor Augen führen, wie viel Plastik jährlich produziert wird: nämlich fast vierhundert Millionen Tonnen. Davon landen etwa acht Millionen Tonnen im Ozean. Das entspricht dem achthundertfachen Gewicht des Eiffelturms. Die gute Nachricht ist: Um Müll zu reduzieren, musst du gar kein Engelchen sein. Wir verraten, wieso Abfall vermeiden so sinnvoll ist und geben super simple aber wirkungsvolle Tipps, wie dir das auf Reisen (und zu Hause) gelingen kann.

Engel Beutel Mali Paede
Illustrationen by Mali Paede

MEHRWEG IST DER BESTE WEG

Eine eigene Trinkflasche aus Glas oder Edelstahl in der Tasche zu haben ist eine dreifach gute Idee: durch sie sparst du Müll, Geld – und siehst tausendmal stylischer aus als mit jeder PET-Flasche. So eine Kunststoffflasche benötigt übrigens ganze vierhundertfünfzig Jahre, bis sie in ihre kleinstmöglichen Bestandteile zerfallen ist. Gänzlich abgebaut ist Plastik nie.

Deine Mehrweg-Trinkflasche kannst du innerhalb Europas meist ohne Angst vor Bauchschmerzen direkt aus dem Hahn befüllen. An anderen Reisezielen ist das Leitungswasser zuweilen belastet mit Chemikalien, Hormonen oder Krankheitserregern – da macht eine Flasche mit integriertem Filter Sinn. Oder du kaufst Trinkwasser in großen Kanistern und füllst es um. Kanister lassen sich nämlich besser recyceln als Dosen oder Plastikflaschen. Und in einigen Orten gibt es für sie sogar ein Pfandsystem.

HEISS HEISS BABY

Im Schnitt trank 2014 jede*r Deutsche pro Jahr über acht Liter Kaffee – aus Einwegbechern. Ganz schön blöde. Denn das produziert nicht nur verdammt viel Müll, sondern der Kaffee wird in Pappbecher auch ziemlich schnell kalt. Und mal ehrlich: Willst du dir deine Reise von kaltem Kaffee versauen lassen? Mit einem Mehrweg-Thermobecher bewahrst du nicht nur die Umwelt vor Müll, sondern dich auch vor schlechter Laune.

MIT DEM SMARTPHONE DEN WALD RETTEN

Pro Jahr verbraucht jede*r Deutsche etwa 250 Kilogramm Papier – das entspricht mehr als drei Bäumen. Dabei ist Papiermüll reduzieren so einfach: Speichere Fahrscheine und Co. auf deinem Mobilgerät und zeige statt eines Ausdrucks dein Display. Das Prinzip funktioniert mittlerweile auch in vielen Kinos, Museen und anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Praktisch: Die Wahrscheinlichkeit Tickets zu verschlampen, reduziert sich erheblich.

Wenn du nun zusätzlich zu deinen Billets auch noch Zeitschriften, Zeitungen und Bücher auf dein Smartphone oder Tablett ziehst, hast du nicht nur einen Papierspar-Orden verdient, sondern sparst dir auch echt viel Schlepperei.

ALLES IN DIE EIGENE TASCHE

Schon Oma wusste, wie Umweltschutz geht und hatte immer einen Stoffbeutel im Handtäschchen. Mach es ihr nach: So bist du für jeden geplanten und spontanen Einkauf gerüstet, egal ob auf dem Markt, im Discounter oder Souvenirshop. Solltest du den Beutel mal vergessen haben, greife zu einer robusten Papier- oder Kunststofftüte. Lass bloß die Finger von den dünnen, kleinen Beutel aus der Obst- und Gemüseabteilung – auch wenn diese gratis sind. Die Beutelchen sind nämlich so leicht, dass sie schnell mal aus Mülleimern hinauswehen und so in die Natur gelangen. Hier zersetzten sie sich in immer kleinere Teile, sogenanntes Mikroplastik. Beim Zersetzungsprozess werden Giftstoffe freigegeben. Manche davon stehen unter Verdacht Krebs zu fördern oder den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Tiere nehmen diese Stoffe beim Fressen auf. So gelangen sie auch in die menschliche Nahrungskette.

Sauber, ohne die Umwelt zu verschmutzen

Low-Waste-Kosmetika, sorgen im Gegensatz zu konventionellen Hygiene- und Pflegeprodukten nicht nur für Reinheit auf deinem Körper, sondern auch auf der Erde. Obendrein sind sie so handlich und leicht, dass du weder viel Platz in deiner Tasche freiräumen, noch schwer tragen musst.

ZAHNBÜSTE AUS NACHWACHSENDEN ROHSTOFFEN

Wusstest du, dass Plastikzahnbürsten in den Restmüll statt in die gelbe Tonne gehören? Weil es aufwendig ist, die Materialen der Bürste zu trennen, werden sie selten recycelt, sondern meist verbrannt. Zahnbürsten aus Bambus, Holz oder Maisstärke sind kompostierbar und deswegen eine umweltfreundliche Wahl. Du findest sie zum kleinen Preis in so ziemlich jeder Drogerie in Deutschland und Österreich.

FESTE KÖRPERPFLEGE

Viele konventionelle Shampoos, Lotions, etc. sind mit Mikroplastik versetzt: In Zahnpasta und Peelings dient es als Schleifmaterial, in Duschgel und Cremes als billiges Füllmittel. Allein in Deutschland gelangen durch Kosmetika sowie Wasch- und Reinigungsmitteln jährlich fast tausend Tonnen Mikroplastik ins Abwasser – und so auch in die Gewässer. Wenn du Mikroplastik vermeiden willst, greife am besten zu Naturkosmetik. Noch besser, weil du damit auch noch Plastikmüll sparst: feste Kosmetika. Duschgel, Shampoo, Conditioner, Gesichts- sowie Körperbutter und sogar Zahnpasta gibt es mittlerweile in dieser nachhaltigeren Variante. Die Produkte sind nicht weniger reinigend oder pflegend als ihre Pendants im Plastikkleid, denn sie bestehen aus den gleichen Inhaltsstoffen. Feste Kosmetika kommen jedoch ohne Wasser als Zutat und deswegen auch ohne Verpackung aus. Wegen ihrer geringen Größe und ihrem niedrigen Gewicht machen sie sich exzellent im (Hand-)Reisegepäck. Transportieren und lagern kannst du sie in Döschen oder Seifensäckchen.

Extratipp für von Trockenshampoo-Fans: Füll dir vor deiner Reise etwas Maisstärke in einen Tiegel. Die Stärke trägst du am Haaransatz auf und bürstest sie aus. Wie Trockenshampoo aus der Dose, absorbiert auch Stärke das Fett. Dunkelhaarige sollten ein wenig entöltes Kakaopulver zur Maisstäke mischen, bei rötlichen Haaren verleiht Zimt dem natürlichen Trockenshampoo die richtige Farbe.

RASIERHOBEL

Bis in die 1970er Jahre war es üblich, sich die Körperbehaarung mit einem Rasierhobel zu entfernen. Dann verdrängte der Plastikrasierer den Hobel aus Drogerien und Badezimmern.

Im Zuge der Low-Waste-Bewegung erlebt die Hobelrasur ein Revival: Der Griff des Hobels besteht aus Metall oder Holz, sein Kopf aus Edelstahl. Während du beim Systemrasierer die Köpfe austauschst und den Einwegrasierer nach wenigen Malen Gebrauch komplett entsorgst, wechselst du beim Rasierhobel lediglich ab und an die einzelne Klinge im Kopf. So fällt kaum Müll an.

Wenn du nun planst, dir einen Hobel zuzulegen, sei gewarnt: Der Preis könnte dich zum Schlucken bringen. Ein Rasierhobel kostet das Mehrfache eines konventionellen Rasierers – die Investition rechnet sich aber. Der Rasierhobel ist extrem langlebig, hübsch anzusehen und Ersatzklingen gibt es für wenige Cents in jeder Drogerie.

DEOCREME AUS DER DOSE

Viele Deos zum Sprühen reizen durch Alkohol und andere Zusatzstoffe die empfindliche Haut unter den Achseln. Natürliche Deocremes hingegen sind besonders sanft, pflegend – und nachhaltig. Die weißen Pasten basieren auf desodorierenden Zutaten wie Kokosöl, Speisestärke und Natron.

Deocremes kommen oft in wiederverwendbaren Aluminiumdosen daher. Wenn die Dose alle ist, kannst du sie zweckentfremdet weiterverwenden (zum Beispiel, um deine feste Kosmetik zu verwahren) oder mit selbstgemachtem Deo auffüllen. Rezepte dafür findest du zuhauf im Internet.

MENSTRUATIONSTASSE

Der weibliche Zyklus ist ein ausgeklügeltes System. Leider folgt er seinen eigenen Regeln: Deinem Uterus ist es herzlich egal, ob dir deine Menstruation gerade ungelegen kommt – etwa weil du im Urlaub bist. Wenn du ans Meer oder ins Hotel mit Pool reist und deine Tage gerade hast, ist eine Menstruationstasse eine gute Alternative zu Tampons und Binden.

Die Tasse erzeugt einen Unterdruck in deinem Inneren, sodass kein Blut auslaufen kann. Und: Während ein Tamponfaden das Meer- beziehungsweise Chlorwasser inklusive etwaiger Krankheitserreger direkt in deinen Körper leitet, dichtet die Tasse deinen Gebärmutterhals vor dem Wasser ab.

Eine Menstruationstasse kostet dich zwar mehr als eine Packung Tampons, hält aber dafür mehrere Jahre. Auf lange Sicht sparst du durch sie nicht nur Müll, sondern auch Geld.

Weniger kaufen, weniger wegschmeißen

Ein blinkender Mini-Eiffelturm aus Paris, ein Strohhut von Bali oder Clogs aus Holland. Wer besitzt sie nicht: Souvenirs, die am Reiseort wie das ultimative Must-have wirken, zu Hause aber nur noch als Staubfänger dienen. Ganz schön schade – ums Geld und um den Platz, den die ungeliebten Mitbringsel wegnehmen.

Falls du das Problem kennst, könntest du dir vornehmen, vor deinem nächsten Kauf eine Runde zu drehen und später nochmal ins Geschäft zurückzukehren. Vielleicht hat sich das Begehren bis dahin schon in Luft aufgelöst. Wenn nicht, schlag zu.

Ein weiterer Tipp: Stöbere statt in Souvenirshops doch auf Flohmärkten, in Trödelläden und Second-Hand-Geschäften. So konsumierst du umweltfreundlich und hast die Chance, einzigartige Stücke mit Vorgeschichte zu ergattern.

Du siehst: Es ist gar nicht so kompliziert, (auf Reisen) Müll einzusparen. Und es lohnt sich. Denn du sparst Ressourcen, schützt die Umwelt sowie unser aller Gesundheit – und wirst für jeden kleinen Schritt Richtung Nachhaltigkeit belohnt mit einem verdammt guten Gewissen.

SCHLECHTES GEWISSEN?

In Hamburg und Wien gibt es viele nachhaltige Geschäfte. Schau doch mal in Hamburg bei Stückgut oder Langbrett vorbei, oder in Wien ist Lunzers Maß Greißlerei vorbei!

Über die Autorin …

Mali liebt Texten, Techno und Tanzen. Meist feiert sie im Bunker auf St. Pauli. Als sie über dessen Geschichte schrieb, gaben ihr Elektro-Beats den Tipp-Takt vor.

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